Es gibt Hochzeiten, bei denen weiß ich schon Monate vorher, dass der Tag gut wird.
Bei Christina und Giusi war es die Menüprobe. Wir saßen zu dritt am Tisch, arbeiteten uns durch die Gänge, und irgendwann habe ich aufgehört, über Essen zu reden. Die beiden schoben sich gegenseitig die Gabel rüber, lachten über irgendwas, das ich nicht mitbekommen habe. Ich saß daneben und dachte: Ihr braucht mich hier eigentlich gar nicht. Ihr habt das schon.
Am 21. Juni 2025 war es dann so weit. Location 17, hoch über der Küste im Cabo de Gata. Trockene Hügel, ein paar Palmen, dahinter das Meer. Und mittendrin zwei Frauen in Weiß.
Alles weiß. Und zwar richtig.
Christina hatte eine klare Ansage: alles weiß. Kein Creme als Kompromiss, kein Beige-Akzent, keine kleine Farbe zur Auflockerung. Weiß.
Solche Ansagen mag ich. Sie machen es einfacher und schwieriger zugleich. Einfacher, weil man nicht diskutiert. Schwieriger, weil Weiß auf Weiß nur funktioniert, wenn die Materialien die Arbeit übernehmen. Also: matte Keramik neben glänzender Seide, dichte Hortensien neben schmalen Orchideenrispen, raues Leinen auf glatten Tellern. Wenn das stimmt, sieht Weiß nicht leer aus, sondern ruhig.
Und diese Ruhe hatte hier einen ziemlich lauten Gegenspieler: die Landschaft. Ockerfarbene Hügel, staubiges Grün, pinke Bougainvillea an der Hauswand. Genau deshalb funktioniert Weiß im Cabo de Gata so gut. Es schreit nicht mit.


Der Vormittag, den keiner sieht
Ein paar Stunden vorher sah das alles noch anders aus.
Wir hängen Kristalllüster in Pinien, ich balanciere auf einem Barhocker, meine Kollegin hält von unten dagegen. Auf jeden Stuhl kommt ein Fächer, weil im Juni um drei Uhr nachmittags niemand ohne Fächer sitzen möchte. Das Thermometer geht hoch, die Stoffbahnen wollen nicht so, wie sie sollen.
Ich zeige diese Bilder gerne. Nicht weil sie schön sind, sondern weil dazwischen der ganze Job liegt: zwischen dem leeren Platz um elf und dem Moment, in dem die erste Gästin sich hinsetzt und sagt, wie schön es hier ist.




Getting Ready
Drinnen war es kühl. Dicke alte Steinwände, gedämpftes Licht, ein Glas Sekt, das schon ein bisschen warm geworden war.
Christinas Kleid: schulterfrei, Spitze mit aufgesetzten Blüten, hinten geschnürt. Dazu die hochgesteckten Haare, ein bisschen unordentlich, genau richtig. Sie stand am Fenster, hat den Strauß gehalten und nichts gesagt.
Ich mag diese Minuten. Der Tag ist noch nicht losgegangen, aber er ist auch nicht mehr aufzuhalten.




Die Zeremonie – und dann ging der Himmel hoch
Giusi stand vorne. Weißer Anzug, Spitzen-Bustier, Panamahut. Sehr cool, sehr souverän.
Bis Christina den Gang runterkam. Dann hat Giusi die Hand vors Gesicht geschlagen und gleichzeitig gelacht und geweint, und in der ersten Reihe haben alle mitgemacht. Sie ist Italienerin. Da hält niemand irgendwas zurück.
Dann nahm sie Christinas Hand und küsste sie. Nicht inszeniert für die Kamera, einfach so, weil ihr gerade danach war.
Und nach dem Ja-Wort ging der Himmel in Farbe hoch. Regenbogen-Fontänen, rechts und links vom Altar, meterhoch über die Hügel und aufs Meer zu. Es dauerte vielleicht zwanzig Sekunden. Ich stand hinten bei der Technik und hatte selbst feuchte Augen — und ich sehe das beruflich ziemlich oft.
Für eine gleichgeschlechtliche Hochzeit in Spanien gibt es kein besseres Bild als das: zwei Frauen unter einem Regenbogen, den sie sich selbst bestellt haben.





Zwei Bräute, ein Sandweg und viel Wüste
Fürs Shooting sind wir ein Stück raus. Sandweg, Ginster, alte Steinruinen, und irgendwann macht der Weg eine Kurve und die Bucht liegt unter einem.
Christina im langen Kleid auf Schotter — das sieht auf Fotos besser aus, als es sich anfühlt. Sie hat kein einziges Mal gemeckert. Giusi hat ihr den Blazer umgelegt, weil der Wind kam, und die beiden sind einfach losgelaufen und haben geredet. Die besten Bilder entstehen fast immer dann, wenn ein Paar vergisst, dass jemand mitläuft.
Der Hut kam übrigens noch mehrfach zum Einsatz. Unter anderem als Sichtschutz.









Sekt, Pinien und eine sehr lange Tafel
Zurück am Haus gab es erstmal eine Sektdusche. Giusi hat die Flasche geschüttelt, gezielt, und getroffen. Alle.
Gegessen wurde im Pinienhain. Eine lange Tafel unter den Bäumen, weiße Stoffbahnen zwischen den Stämmen, die Kristalllüster von heute Vormittag, Goldbesteck auf weißem Leinen. Als die Sonne tiefer kam, wurde aus dem kühlen Weiß plötzlich warmes Gold, und die Stoffbahnen haben sich im Wind bewegt.
Das ist der Moment, für den ich die Lüster hochhänge.






Was bleibt
Spanien hat die Ehe für alle 2005 geöffnet, als eines der ersten Länder überhaupt. Hier unten stellt niemand Fragen. Für die Dienstleister vor Ort war das eine Hochzeit wie jede andere, und genau so soll es sein.
Trotzdem schreiben mir immer wieder Paare, die vorher vorsichtig nachfragen, ob das denn geht. Ja. Das geht. Und wenn ihr wissen wollt, wie das rechtlich für euch aussieht — ob symbolische Trauung hier und Standesamt zu Hause oder andersrum — dann fragt mich einfach, das klären wir in zehn Minuten.
Von Christina und Giusi bleibt mir aber etwas anderes. Diese Menüprobe im Frühjahr. Zwei Menschen, die sich schon so lange kennen, dass sie sich beim Essen nicht mehr anstrengen müssen, und die sich trotzdem angucken, als hätten sie sich gerade erst getroffen.
Alles danach war nur noch Deko. Sehr, sehr weiße Deko.
Ihr wollt auch in Spanien heiraten?
Ich plane Hochzeiten in Almería und im Cabo de Gata, seit 2010 — für Paare aus ganz Europa, in jeder Konstellation. Wenn euch dieser Tag anspricht, schreibt mir. Erzählt mir, was ihr euch vorstellt. Den Rest sortieren wir gemeinsam.
Credits
Planung, Konzept & Deko: Ambrosia Wedding
Fotos: Visual und Co
Location: Location 17, Cabo de Gata, Almería
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