Kurz gesagt: Hochzeitsfarben findet ihr in fünf Schritten, eure Lieblingsfarben sammeln, die Jahreszeit dazunehmen, die Farben eurer Location prüfen, konsequent aussortieren und den Rest nach der 60/30/10-Regel zu einer Palette kombinieren. Am Ende steht eine Hauptfarbe, eine Nebenfarbe und ein Akzent. Mehr braucht ihr nicht.
Weißt du, was der erste praktische Schritt ist, wenn ihr eure Hochzeit plant? Nicht die Location. Nicht das Kleid. Die Farben.
Ich plane seit 2010 Hochzeiten, und ich sehe es bei jedem Paar: Solange die Farben nicht stehen, ist alles andere raten. Die Servietten, der Brautstrauß, die Kerzen, die Krawatte, das Papier der Menükarte, alles hängt da dran. Und wenn die Farben nicht miteinander können, sieht am Ende auch die teuerste Deko zusammengewürfelt aus.
Die gute Nachricht: Farben finden ist kein Talent, das man hat oder eben nicht. Das ist Handwerk. Fünf Schritte. Fangen wir an.
1. Fangt bei euch beiden an
Zu den Hochzeitsfarben gehören immer zwei. Auch ihm oder ihr sollten die Farben gefallen, sonst steht da am Hochzeitstag jemand in einer Farbe, die er sein Leben lang nicht mochte.
Also: Notiert erst mal eure Lieblingsfarben. Und wenn euch spontan nichts einfällt, schaut euch einfach um. Eure Wohnung verrät es. Man dekoriert automatisch so, dass es einem gefällt, das Sofakissen, die Wandfarbe, die Vase, die ihr euch gekauft habt, obwohl ihr keine Vase brauchtet. Ein Blick in den Kleiderschrank hilft auch. Welche Farbe hängt da fünfmal?
Mein Tipp: Schreibt getrennt voneinander auf. Wirklich getrennt, jeder auf einen eigenen Zettel. Sonst nickt einer von euch nur ab, was der andere gesagt hat, und ihr merkt es erst bei der Anprobe.
2. Nehmt eure Jahreszeit dazu
Welche Farben herrschen in der Saison vor, in der ihr heiratet? Schaut aus dem Fenster. Was seht ihr?
- Frühling, zartes Grün, Flieder, Puder, Creme, das erste Gelb
- Sommer, kräftiger und frischer: Türkis, Korallenrot, Kobaltblau, Sonnengelb
- Herbst, Rost, Ocker, Bordeaux, Moosgrün, warmes Braun
- Winter, Tanne, Petrol, tiefes Rot, Silber, Weiß auf Weiß
Ihr müsst euch nicht an die Saison halten. Aber gegen sie zu arbeiten kostet Geld: Wer im Oktober Pfingstrosen will, zahlt sie im Import, und die Herbstsonne macht aus Pastell sowieso etwas anderes, als ihr auf Pinterest gesehen habt.
3. Schaut euch eure Location genau an
Welche Farben haben die Wände, der Boden, die Möbel, die vorhandene Deko? Ist das Holz warm oder kalt? Liegt da ein Teppich, den keiner rausträgt? Hängen Vorhänge in einem Ton, mit dem ihr leben müsst?
Und: Was davon könnt ihr abhängen oder abdecken, und was nicht?
Normalerweise ist das kein großes Problem. Ihr hättet euch nie eine Location ausgesucht, deren Farben euch nicht gefallen. Das Auge isst mit, und ihr habt aus dem Bauch heraus entschieden. Alles andere wären faule Kompromisse gewesen.
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4. Jetzt wird aussortiert
Nehmt die Farben aus den Schritten 1 bis 3 und streicht alles, was für euch nicht in Frage kommt. Es gibt garantiert welche. Raus damit, ihr werdet mit einer Farbe, die ihr eigentlich nicht mögt, nicht glücklich.
Fragt auch die andere Seite ausdrücklich, welche Farbe auf keinen Fall dabei sein soll. Diese eine Frage erspart euch später eine Diskussion beim Anzug.
5. Kombinieren: und die 60/30/10-Regel
Aus den übrig gebliebenen Farben baut ihr jetzt Kombinationen. Mixt einmal alles durch und schaut spontan, was euch gefällt. Aus dem Bauch heraus, nicht analytisch.
Und dann kommt der Teil, den fast niemand macht, der aber den Unterschied ausmacht zwischen „nette Farben“ und „das sieht aus wie aus einer Zeitschrift“: Gebt jeder Farbe eine Rolle.
Das ist die 60/30/10-Regel, und Innenarchitekten arbeiten seit Jahrzehnten damit:
- 60 % Hauptfarbe, der ruhige Grundton. Tischdecken, Stoffe, die großen Flächen. Meistens etwas Zurückhaltendes: Creme, Weiß, Sand, Salbei.
- 30 % Nebenfarbe, die Farbe, die man bemerkt. Servietten, Papeterie, Bänder, Kerzen.
- 10 % Akzent, der Farbtupfer, der alles zusammenhält. Nur in kleinen Dosen: einzelne Blüten, Anstecker, Siegelwachs, Gläser.
Zwei bis drei Farben plus Weiß oder Creme reichen völlig. Ihr könnt auch fünf nehmen, aber dann müsst ihr trotzdem entscheiden, welche die 60 ist. Ohne diese Entscheidung wird jede Palette unruhig, egal wie schön die einzelnen Töne sind.
Mein Tipp: Legt euch ein Foto eurer Location neben die Farbkombi. Dann seht ihr sofort, ob es zusammenpasst. Und lasst das Ganze einen Tag liegen, am nächsten Morgen fällt meistens von allein eine Kombi raus.
Die drei Fehler, die ich am häufigsten sehe
Zu viele Farben. Auf Pinterest sammelt man 40 Bilder, und in jedem steckt eine andere Palette. Am Ende ist alles drin und nichts stimmt. Fünf ist die Obergrenze, drei sind besser.
Farben ohne Farbcode. „Altrosa“ bedeutet für eure Floristin etwas anderes als für die Papeterie-Designerin und noch mal etwas anderes für den Brautmoden-Laden. Legt euch die konkreten Farbcodes zurecht (die HEX-Werte) und gebt sie an alle weiter. Das ist der Unterschied zwischen „passt ungefähr“ und „passt“.
Das Licht vergessen. Farben sehen bei Kerzenlicht anders aus als um 15 Uhr im Garten. Schaut euch eure Palette einmal draußen an und einmal abends bei warmem Licht, bevor ihr bestellt.
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Über die Autorin

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Seit 2010 plane ich Hochzeiten, seit 2012 hier in Almería. Ich kenne die schönsten Orte zwischen Cabo de Gata und Mojácar und sorge dafür, dass ihr euren Tag einfach genießen könnt.
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